Deutschlands bekannteste Profiboxerin will in die USA. Eine Zwischenstation soll Riesa sein. Das liegt an einem Döbelner Unternehmen. Von Alexander Hiller

Christina Hammer verteidigt WM-Gürtel und ebnet Weg für Amerika

In ihrer Heimatstadt Dortmund wird Christina Hammer nun noch mehr auffallen. Die derzeit bekannteste deutsche Profiboxerin flitzt künftig mit einem feuer-opalroten Mercedes E 250 Coupé durch die Straßen – der dazu noch ein für den Ruhrpott ziemlich ungewöhnliches Kennzeichen hat: WUR für Wurzen.

Das verwundert auf den ersten Blick. Ist aber auf den zweiten eng mit der sächsischen Verbundenheit der jüngsten deutschen Boxweltmeisterin aller Zeiten verknüpft. Diesen Passus erkämpfte sich die inzwischen 26-jährige Mittelgewichts-Championesse der Weltverbände WBO und WBC am 23. Oktober 2010 in der Erdgasarena von Riesa. „Riesa ist eine tolle Stadt. Die Verbindung wird immer die zu meinem ersten WM-Titel sein – und damit eine besondere“, erklärt die Kämpferin. „Ich habe durch meinen ehemaligen Boxstall SES ohnehin mehr im Osten geboxt“, sagt sie, und dort traf sie bislang auf ein „sehr sachkundiges Publikum“.

2013 hat sie ihre Gürtel auch einmal in Dresden verteidigt. Die Beziehung zum Magdeburger Boxstall SES ging in die Brüche. 14 Monate lang bestritt sie keine Kämpfe. Weshalb, so stellt es Hammer dar, weiß sie bis heute nicht. Sie ließ sich im Sommer 2016 vom aufstrebenden Promoter Alexander Petkovic anheuern. Zwei Kämpfe bestritt Hammer für den in München ansässigen Boxstall, darunter einen WM-Vereinigungskampf gegen die Amerikanerin Kali Reis. Jedes ihrer 21 Profiduelle hat die deutsche Boxerin des Jahres 2016 für sich entschieden.

Und das soll auch als Einzelkämpferin ohne Boxstall so weitergehen. Und genau hier kommt Sachsen wieder ins Spiel. Aus dem Vertrag mit Petko’s Boxpromotion musste sich die 1,80 Meter große Modellathletin auslösen. Dabei spielte das Döbelner Autohaus Gruma Automobile GmbH „eine sehr großzügige Rolle. Die haben einen Großteil abgefedert“, lässt Hammers Manager Harald Pia wissen.

Denn das Gespann Hammer-Pia verfolgt solche ehrgeizigen persönlichen Pläne, die sich in einem Boxstall als eine unter vielen wohl nicht verwirklichen ließen. „Mein Traum ist es, in Amerika zu boxen und dort Fuß zu fassen“, sagt Christina Hammer. Und auf dem größten Preisboxmarkt der Welt hat man den Wunsch längst erhört. Marc Taffet, ehemaliger Vizepräsident und Pionier in Sachen Pay-Per-View-Modell beim renommierten Sender HBO Sports, will das Frauenboxen in den Staaten revolutionieren. So interpretiert zumindest Harald Pia die bisherige Zusammenarbeit mit Taffet. „Wir haben erst zehn Prozent von dem erreicht, was wir wollen“, sagt er. Sein 58-jähriger Partner aus den USA hat freilich eigene Pläne, in denen Hammer möglicherweise nur eine starke Nebenrolle spielen soll. Taffet will als Co-Manager die 22-jährige Claressa Shields zum medialen Superstar entwickeln.

Sie ist bereits jetzt eine herausragende Persönlichkeit. Mit 17 Jahren holte sich Shields 2012 in London sensationell Olympiagold. Vier Jahre später wiederholte sie den Triumph in Rio. Dazwischen erkämpfte sie sich zweimal WM-Gold. Jeweils bei den Amateuren – aber in Hammers Gewichtsklasse, dem Mittelgewicht (bis 72,574 kg). Zu dieser erstaunlichen sportlichen Vita kommt eine tragische Biografie. Shields Vater saß jahrelang im Knast, die Mutter war drogenabhängig. Die Tochter kämpfte sich dennoch nach oben. Nicht nur Amerikaner lieben solche Storys.

Und Shields, die nach Rio ins Profilager wechselte, will sich mit der Besten messen. Das ist derzeit Christina Hammer. „Shields hat für ihren erst zweiten Profi-Fight im März über nur sechs Runden bereits 150 000 Dollar eingestrichen. Dafür würden in Deutschland fast alle Profiboxer antreten“, sagt Pia. Hammers Manager und Marc Taffet sind sich bereits einig, das Duell ihrer Schützlinge bis Mitte 2018 entsprechend zu befeuern. Hammer und Shields lassen derzeit auch keine Gelegenheit ungenutzt, sich gegenseitig immer wieder zu erwähnen. „Claressa kann sich sogar vorstellen, für einen ihrer nächsten Kämpfe nach Deutschland zu kommen. Den würden wir dann in Christinas Kampfabend einbauen. Das wäre sportlich eine Riesensache“, sagt Manager Pia.

Für solch ein Event kommt wohl nur der Standort Riesa infrage. Zumindest soll dieser Passus laut Harald Pia wichtiger Bestandteil des Deals mit dem neuen Autopartner aus Döbeln gewesen sein. „Wir würden aber auch mit Christina nach Amerika gehen und dort in Shields Vorprogramm boxen – obwohl das dem Status von Christina eigentlich nicht angemessen ist.“ Die ungeschlagene Weltmeisterin weiß: „Amerika ist die Boxhochburg schlechthin, dort werden auch die größten Kampfbörsen bezahlt. Ich verfolge jeden ihrer Kämpfe ganz genau.“

Vor der Amateurkarriere ihrer vermeintlich künftigen Herausforderin zeigt sie Respekt, aber fragt dann kess nach: „Ja, und? Der Profibereich ist eine ganz andere Liga. Und da bin ich die Weltmeisterin.“ Das wird so selbstbewusst auch auf dem neuen Hammer-Pkw unterstrichen. Der Zusatz „World Boxing Champion“ wurde schon vor deren letztem WM-Kampf am 1. April in Dortmund angebracht.

Quelle: Sächsische Zeitung
12.04.2017 | 17:33

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